Migräne und Genick
Migräne und Genick


Was hat Migräne mit dem Genick zu tun?

Ich hatte von meinem Kollegen, der den Vortrag über die Atlas-Impuls-Therapie gehalten hatte, gelernt, daß Migräne doch irgend etwas mit der Halswirbelsäule zu tun haben mußte. Fragte sich nur, was. In dem Vortrag wurde ein Diagnoseverfahren erwähnt, das ich nicht kannte. Damit kann man Fehlstellungen von Halswirbeln erkennen und Bewegungen der Wirbel untereinander analysieren. Das Verfahren nennt sich "Röntgen-Funktions-Analyse" und ist ziemlich unbekannt. Vielleicht ein Prozent der Orthopäden und höchstens einer von 200-300 Röntgenärzten arbeiten damit. Es läßt sich aber verhältnismäßig schnell erlernen.

Die Röntgen-Funktions-Analyse schien mir danach die einzige Möglichkeit, dahinterzukommen, was die Hals-wirbelsäule mit Migräne zu tun haben könnte.

Damals kam ein ganz armer Teufel zu mir. Der hatte mit 18 das erste Mal wegen Kopfschmerzen einen Selbst-mordversuch gemacht. Mit 24 hat er sich nochmals die Pulsadern aufgeschnitten, wurde aber wieder gerettet. Was allerdings am Kopfschmerz wenig änderte. Der wurde über die Jahre immer schlimmer. Ein guter Doktor, der zwar auch nicht wußte, wo die Schmerzen herkamen, verschrieb ihm wenigstens Morphin. Das half zuerst. Er konnte wieder arbeiten gehen. Mit 40 war dann auch mit dem Betäubungsmittel nichts mehr zu machen. Es reichte nicht, den Schmerz zu unterdrücken. Die Dosis wurde zu hoch. Da bekam er noch Psychopharmaka. Die sollten die Schmerzwahrnehmung unterdrücken und die Depressionen verscheuchen. Taten sie zwar nicht ganz, aber immerhin konnte er wieder zur Arbeit. Die hatte er nämlich wochenlang nicht mehr machen können. Später reichte auch diese Kombination nicht mehr. Er legte sich ins Bett. Dort waren die Schmerzen noch am ehesten auszuhalten.

Als er zu mir kam, hatte er sieben Jahre fast nur im Bett verbracht, die letzten zwei Jahre dauernd. Ganz zum Schluß konnte er nur noch einmal am Tag passierte Kost zu sich nehmen. Kauen konnte er wegen der sich dabei stei-gernden Schmerzen nicht mehr. Schlucken war auch schon eine Pein.

Ein klarer Fall von Medikamenten-Kopfschmerz - haben seine Ärzte diagnostiziert. Womit sie allerdings nur die halbe Wahrheit erfaßt hatten. Die andere Hälfte blieb ihnen offenbar verborgen.

Normalerweise hätte ich keinerlei Chancen gehabt, hinter die andere Hälfte zu kommen, wenn mir nicht die Röntgen-Funktions-Analyse dabei geholfen hätte. Der arme Teufel war mein erster Fall, den ich mit dem für mich neuen Verfahren diagnostiziert hatte, und gleich ein Volltreffer: vollkommene Bewegungsstarre des ersten Halswirbels bei allen röntgen-funktions-analytisch geforderten Kopfhaltungen aus der Normalstellung heraus: Vorwärtsbeugen, Rückwärtsbeugen und Nicken. Der Rest der Halswirbelsäule war auch bewegungssteif, aber das war wohl Folge der Bewegungsstarre im Genick.

Da hatte ich nun eine brauchbare Diagnose.

Nach sorgfältiger Aufklärung über eventuelle Risiken machte ich die ersten zaghaften Schritte mit einer neuen Therapie, die ich mir dazu überlegt hatte. Als ich den armen Teufel damit nach einer Woche nicht nur vom Schmerz, sondern auch - für mich völlig unerwartet - vom Rest seiner Nöte für's erste befreit hatte, habe ich verdammt feuchte Augen bekommen.

Hatte ich da etwas Einmaliges gesehen?

Hatte ich etwas Systematisches entdeckt, oder war's nur ein Zufall?