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Präsentation der Behandlungsmethode
und ihrer Ergebnisse
auf dem


IASP - 12th World Congress on Pain

August 17-22, 2008
Glasgow, Scotland


UK Scottish Exhibition & Conference Centre

 

 

 

 

 

 

 

 

 




 

 

 

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EFFICIENT THERAPY OF MIGRAINE PAIN AND ASSOCIATED SYMPTOMS IN CHRONIC MIGRAINEURS BY
repetitive cervicothoracic sympathetic blockS WITH low dose lidocaine in high volume Ringer’s solution

Klaus Strackharn, Pain-Therapy-Center Baden-Baden, Germany; Eberhard Weihe, Institute of Anatomy and Cell Biology, Philipps-University Marburg, Germany.

 


Aim of Investigation: Migraine is characterized by sympathetic dysfunction. Therefore, it is reasonable to target migraine associated sympathetic dysfunction by sympathetic block in order to alleviate migraine pain, migraine aura and other associated symptoms.


Methods:
Using the diagnostic criteria of the IHS 2003 we included for a retrospective analysis 84 patients chronically suffering from migraine with and without tension-type headache at an average of 22.9 years with 7.4 migraine attacks per month. The average age was 46.1 years. Repetitive sympathetic blocks were performed by deep dorsal cervicothoracic infiltration of low dose lidocaine in high volume Ringer’s solution under constant liquid injection when the needle was advanced into the tissue in order to avoid any tissue injury. Patients were treated daily in the morning and in the evening during a period of 4, 5 and 6 weeks, during migraine aura and migraine attacks, and during attack free periods without any other medication. A standard questionairy based on visual analogue scales with 10 points representing the highest intensity of symptoms was used. A total of 36 migraine pain and associated symptoms were documented prior to and after each treatment during the whole treatment period. The total amount of the intensities of pain and migraine associated symptoms served as criterion for the efficacy of therapy together with the reduction of the frequency of migraine attacks. These data were compared with the results of formally identical tables that patients had to fill out and to sign personally twice a day (each pre- and posttherapeutic) for close monitoring of the treatment progress.


Results:
The total amount of the intensities of pain and other migraine associated symptoms during treatment showed a congruent reduction in all treatment periods onto less than 10% at the end of the first week. The 4-weeks treatment group reached at the end a reduction onto 3.2%, the 5- and 6- weeks treatment groups reached a reduction onto 1.1% and 1.0%, respectively. Migraine aura and migraine attacks could be disrupted regularly within 5 to 10 minutes after infiltration.


Conclusions:
These results indicate high efficacy of our new technique of repeated deep dorsal cervicothoracic sympathetic blocks in chronic migraineurs resistent to conventional migraine pharmacotherapies. We propose that mechanisms underlying treatment success involve rebalancing imbalances in the compex set of sympathetic co-transmitters including prostaglandins, ATP, adenosine, NO and diverse neuropeptides. In addition, we postulate direct anti-inflammatory actions of lidocaine in deep cervicothoracic sympathetic­­­-sensory neuroimmune trigger regions of migraine and migraine aura.


Key words:
chronic migraineurs
sympathetic block
local anesthetic
neuroimmune
sympathetic-sensory coupling

 

 

 

 

Deutsche Übersetzung

 

WIRKSAME BEHANDLUNG VON MIGRÄNE-SCHMERZEN UND BEGLEITSYMPTOMEN BEI CHRONISCHER MIGRÄNE DURCH WIEDERHOLTE ZERVIKO-THORAKALE SYMPATHICUS-BLOCKADEN MIT HOHEN VOLUMINA VON NIEDRIG DOSIERTEM LIDOCAIN IN RINGER-LÖSUNG

 

 

Ziel der Untersuchung

 

ImageMigräne und ihre Begleitsymptome sind durch sensorische, autonome (sympathisch / parasympathische) sowie verschiedene intrazerebrale neurovaskuläre Veränderungen gekennzeichnet [2,4,6,8,10].

Die Verabreichung von ß-Blockern kann Migräne-Anfälle verhindern bzw. reduzieren [9]. Dies deutet auf eine ursächliche Beteiligung des sympathischen Nervensystems (SNS) an der komplexen Pathophysiologie der Migräne. Das SNS spielt auch eine wichtige Rolle bei neuropathischen Schmerzen durch sympathisch-sensorische neuro-immune Wechselwirkungen. Migräne besitzt Merkmale neuropathischer Schmerzen; Medikamente gegen Migräne können gegen neuropathische Schmerzen wirksam sein [1,3].

Stimulation der Nn. occipitalis wirkt Migräne und anderen Kopfschmerzen entgegen [5]. Lidocain hemmt die durch NFkB vermittelte Produktion von Zytokinen aus Entzündungszellen [7].

Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, die Migräne assoziierte Fehlfunktion des SNS durch dorsale Sympathicus-Blockaden (Abb. 1) zu behandeln, um damit Migräne, Migräne-Aura und ihre Begleitsymptome zu lindern.

Röntgenaufnahmen der oberen Halswirbelsäule zeigen vor und während eines Migräne-Anfalls den ersten Halswirbel in der Regel geneigt und gleichzeitig gedreht (Abb. 2 und 3), meistens zur Seite der Migräne-Schmerzen (>70%). Am gleichseitigen Proc. transversus des Wirbels können regelmäßig starke Schmerzen provoziert werden. Wir nehmen an, dass diese Schmerzen aufgrund örtlicher Entzündungen entstehen infolge der Wirbeldistorsion mit Muskelverspannungen, die sensorisch-sympathische neuro-immune Reaktionen nach sich ziehen.

Zusätzlich weisen Migräne-Patienten oft funktionelle Veränderungen der oberen Brustwirbelsäule auf, die primär schmerzhaft sind oder in deren Bereich Schmerzen provoziert werden können (Abb. 4a und 4b), von denen wir annehmen, dass sie die Symptome der Migräne-Aura wie z.B. Sehstörungen hervorrufen (Abb. 4, 1 - 5).

Wir stellen hier die Hypothese auf, dass Sympathicus-Blockaden wirksam sein sollten bei der Behandlung von Migräne und Migräne-Aura und erwarten zusammen mit speziellen Anweisungen für Migräne-Patienten zur Verbesserung ihrer statischen und dynamischen Körperhaltung und ihrer allgemeinen Lebensführung einen lang anhaltenden therapeutischen Effekt von mindestens einigen Jahren nach Ende der jeweiligen Behandlungsperiode.

 

Methoden

ImageUnter Anwendung der diagnostischen Kriterien der IHS (2003) wurden 84 Patienten mit chronischer Migräne in eine retrospektive Analyse einbezogen. 69 Patienten (81%) waren weiblich, 15 (19%) waren männlich. Das Durchschnittsalter betrug 46,1 Jahre, das Intervall 18 - 76 Jahre. 43 Patienten (51% von allen) litten an Migräne, 31 (37% von allen) litten an Migräne mit Aura, 53 Patienten (63% von allen) litten an Migräne ohne Aura. Die durchschnittliche Krankheitsdauer betrug 22,9 Jahre (2 - 62) mit 7,4 Migräne-Anfällen (3 - 10) pro Monat mit einer durchschnittlichen Dauer von 52,0 Stunden (2 - 216) und einer Schmerz-Intensität auf dem Höhepunkt eines Anfalls von durchschnittlich 8,5 Punkten innerhalb einer 10-Punkte-Skala. 41 Patienten (49% von allen) litten sowohl an Migräne als auch an Kopfschmerzen vom Spannungstyp.
Mit einer neu konzipierten speziellen Apparatur (Abb. 5) wurden wiederholte Sympathicus-Blockaden gesetzt, standardmäßig mittels tiefer dorsaler zerviko-thorakaler Infiltration (Abb. 6 - 9) mit niedrig dosiertem Lidocain in Ringer-Lösung in einer Konzentra-tion zwischen 0,025% und 0,2 % mit einem Volumen von 6 - 24 ml pro Infiltration. Zur Vermeidung von Gewebsverletzungen wurden die Kanülen grundsätzlich unter konstanter Flüssigkeitsabgabe in das Gewebe vorgeschoben (Abb. 6 and 9).

Die Patienten wurden innerhalb von 4 (n=21), 5 (n=43) und 6 (n=20) Wochen täglich morgens und abends während einer Migräne-Aura und eines Migräne-Anfalls sowie während der anfallsfreien Perioden behandelt ohne Verwendung anderer Medikamente. Vorangegangene Medikation wurde vor Behandlungsbeginn abgesetzt. Mit einem standardisierten Fragebogen auf der Basis von visuellen Analog-Skalen mit 10 Punkten für die höchste Intensität von Symptomen (Abb. 10) wurde das Anfangs-stadium vor Eintritt in die Behandlung erfasst und die Therapiewirkungen kontrolliert.

Insgesamt wurden 36 Migräne-Schmerzen und Migräne-Begleitsymptome vor und nach jeder Behandlung zweimal pro Tag dokumentiert (prä- und posttherapeutisch) zur engmaschigen Kontrolle des Behandlungsverlaufs während der gesamten Behandlungs-Periode. Diese Daten wurden mit den Ergebnissen des formal identischen Bogens "0" verglichen, den Patienten vor Beginn ihrer Behandlung ausfüllen mussten und der ihren letzten schweren Migräne-Anfall ohne Einsatz von Medikamenten abbildete. Die Veränderung der Summe aller Schmerz-Intensitäten und Migräne-Begleitsymptome diente als Maßstab für die Wirksamkeit der Behandlung zusammen mit dem Rückgang der Kopfschmerz-Frequenz und der Migräne-Anfälle.

 

 

Ergebnisse
ImageDie Gesamtsummen aller Schmerz-Intensitäten und Migräne-Begleitsymptome zeigten unter der Behandlung einen übereinstimmenden Rückgang in allen Behandlungs-Perioden von 4, 5 oder 6 Wochen auf weniger als 10% am Ende der ersten Woche (Abb. 11) und eine entsprechend positive Zunahme des Allgemeinbefindens (Abb. 12).

Die 4-wöchige Behandlungs-Gruppe erreichte am Ende einen Rückgang aller Schmerzen und Begleitsymptome auf 3,2%, die 5 bzw. 6 Wochen lang behandelten Gruppen erreichten bei ähnlichen Verläufen einen Rückgang auf 1,1% beziehungsweise 1,0%. Migräne-Aura und Migräne-Anfälle konnten regelmäßig innerhalb von 5 bis 10 Minuten nach den Infiltrationen durchbrochen werden.

Kopfschmerzen vom Spannungs-Typ wurden gleichzeitig schrittweise bis zum Ende jeder Behandlungs-Periode beseitigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schlussfolgerungen

ImageDiese Ergebnisse zeigen die hohe Wirksamkeit unserer neuen Technik der wiederholten tiefen dorsalen zerviko-thorakalen Sympathicus-Blockaden bei chronischen Migränikern, die gegenüber konventionellen Pharmakotherapien resistent sind. Die dem Therapieerfolg zugrunde liegenden Mechanismen umfassen:


I.) die Rückgewinnung des gestörten Gleichgewichts der komplexen Einstellungen sympathischer Co-Transmitter einschließlich von Prostaglandinen, ATP, Adenosin, NO und verschiedener Neuropeptide;

II.) die Neueinstellung der gestörten langschleifigen sympathisch-trigeminalen und sympathisch-parasympathischen Wechselbeziehungen;

III.) die örtliche Hemmung der Nervenerregung und den anti-inflammatorischen Einfluss des Lidocain in tiefen zerviko-thorakalen sympathisch-sensorischen neuro-immunen und neuro-muskulären Trigger-Regionen von Migräne und Migräne-Aura (Abb. 13 + 14).


 

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