Kopfschmerz vom Spannungstyp (Spannungskopfschmerzen) entwickelt sich aus einer fortschreitenden Beugeunfähigkeit des Genicks und der ganzen Halswirbelsäule infolge chronischer Fehlbelastung, seltener als Unfallfolge.
Aktivierte Rückenmarksreflexe führen dabei zu Muskelverspannungen, Nervenreizungen und Schmerzen in Nacken, Hinterkopf und Stirn. Die klassischen Spannungskopfschmerzen haben im Gegensatz zur Migräne außer eventuell leichter Licht- oder Lärmscheu oder geringfügiger Übelkeit keine weiteren Begleitsymptome.
Spannungskopfschmerzen und Migräne: Gemeinsamkeiten und entscheidende Unterschiede, Dominanz des Genicks Die Schmerzen treten bei Spannungskopfschmerzen in der Regel doppelseitig auf und haben drückend-ziehenden oder beengenden Charakter. Mischformenzwischen Migräne und Spannungskopfschmerzen kommen verhältnismäßig häufig vor. Migräne kann sich im Laufe der Zeit zu Spannungskopfschmerzen wandeln. Spannungskopfschmerzen können zwischen einzelnen Migräne-Anfällen isoliert auftreten oder sich mit der Migräne-Symptomatik vermischen.
Das außergewöhnlich dicht benervte Genick zeigt auf speziellen Röntgenbildern ausgeprägte Beugeverluste sowohl bei Spannungskopfschmerzen als auch bei Migräne. Diese Beugeverluste haben nach unseren Erkenntnissen auf Entwicklung und Verlauf beider Kopfschmerzformen maßgeblichen Einfluss.
Die dominante Rolle des Genicks bei der Kopfschmerzentwicklung ist nicht nur von seiner außerordentlich dichten Benervung abzuleiten mit ca. 2 bis 3 Millionen freier Nervenenden in Weichteilgewebe und gelenksnahen Strukturen, sondern vor allem auch von seinen Nervenbeziehungen zu Rückenmark, Gehirn (über Halsnerv 1) und automatischem Nerven-System (peripherer Sympathicus).
Der oberste Nervenknoten des peripheren Sympathicus (Ganglion cervicale superius) kann die Hirndurchblutung beeinflussen. Er kann u.a. aus dem Genick erregt werden. Seine Erregung führt zur Minderdurchblutung bestimmter Hirngefäße, in deren Gefolge Symptome wie Übelkeit, Sehstörungen, Licht- und Lärmscheu auftreten können, die nicht nur bei der Migräne als typische Begleitsymptome von Anfällen gelten, sondern auch bei Spannungskopfschmerzen in allerdings abgeschwächter Form und auch selten zusammen-hängend beobachtet werden können.
Die Ähnlichkeit der Schmerzlokalisation bei Spannungskopfschmerzen in Stirn und Schläfe mit der der Migräne (Augenschmerzen sind bei Spannungskopfschmerzen nicht beschrieben) und die nicht seltene Vermischung weiterer Beschwerden beider Kopfschmerzformen unterstreichen nach unseren Erkenntnissen die Dominanz des Genicks bei der Kopfschmerzentwicklung.
Entwicklung von Spannungskopfschmerzen und Migräne aus der Beugeunfähigkeit des Genicks
Die Entwicklung von Spannungskopfschmerzen und Migräne ist nach unseren Erkenntnissen eng verknüpft mit der zunehmenden Beugeunfähigkeit des Genicks. Als Folge aktivierter Rückenmarkssreflexe zeigt dabei auch die Halswirbelsäule von oben nach unten fortschreitende Beugeverluste.
Diese Beugeverluste können nicht nur die weitere Entwicklung von Spannungskopfschmerzen sowie die Häufigkeit und Dauer von Migräne-Anfällen fördern, sondern auch die Entwicklung von Schulter-Arm-Schmerzen und im weiteren Verlauf Wirbelgelenks-Arthrosen hervorrufen. Arthrosen selbst sind nach unseren Daten nur sehr selten die primäre Ursache von Kopf-, Nacken- oder Schulter-Schmerzen.
Bestimmung der Beugefähigkeit des Genicks
Die Beugung des Kopfes nach vorn und hinten erfolgt im Genick zwischen der Schädelbasis (Kopf) und dem erstem Halswirbel (Atlas). Das Genick leistet dabei ca. 55% des gesamten Beugungsumfangs der Halswirbelsäule.
Die Bestimmung der Beugefähigkeit des Genicks (Biometrie) erfolgt durch Messung der Winkel zwischen der Schädelbasis (1) und der Mitte des ersten Halswirbels (2) von der Nickstellung (3) des Kopfes zur maximalen Vorbeugung (4). Der Winkel zwischen beiden Kopfhaltungen sollte normalerweise 38° betragen.
Aus dem Unterschied der beiden gemessenen Winkel im Verhältnis zum Sollwert (38°) kann der individuelle Beugeverlust berechnet werden (im vorliegenden Beispiel 87%).
Massive Beugeverluste des Genicks
bei Migräne und Spannungskopfschmerzen
In einer vergleichenden Studie mit langjährigen Kopfschmerz-Patienten lagen die durchschnittlichen Beugeverluste des Genicks bei 91,2% (Spannungskopfschmerzen) bzw. bei 86,8% (Migräne). Die durchschnittliche Krankheitsdauer der untersuchten Patienten betrug dabei 17,4 Jahre.
Beugeverluste dieser Größenordnung haben wir bei Kopfschmerz-Patienten auch außerhalb der Studie immer wieder festgestellt. Da selbst Kinder unter zehn Jahren davon betroffen waren, scheint die Krankheitsdauer allein dafür nicht verantwortlich zu sein. Unfälle bei Spiel und Sport oft schon im frühen Kindesalter sowie Körperfehlhaltungen im Schulunterricht scheinen die Beugeverluste des Genicks bei Kindern und deren Fortentwicklung im späteren Erwachsenenalter zu begünstigen.
Der stärkste Einfluss kommt nach unseren Daten aus statischen Fehlhaltungen im Berufsalltag (langes Sitzen oder Stehen), wobei zusätzlicher emotionaler Stress die Haltungsprobleme reflektorisch verstärkt. Überdehung der Weichteilstrukturen des Genicks durch verschiedene Unfallereignisse einschließlich häufigerer Bagatellunfälle sowie chronische Fehlhaltung in Schule und Beruf scheinen sich im Übrigen zu addieren.
Spannungskopfschmerzen: Keine Fehldrehung des ersten Halswirbels
Im Gegensatz zu Migräne-Patienten ist bei Patienten mit Spannungskopfschmerzen in Spezialaufnahmen des Genicks (transbuccale Atlas-Darstellung) keine Verdrehung des ersten Halswirbels zu erkennen.
Keine Fehldrehungder ersten Halswirbels (Atlas)
bei Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen und Migräne
Bei Patienten mit Spannungskopfschmerzen und Migräne oder Mischformen beider Kopfschmerz-Arten ist der erste Halswirbel häufig fehlgedreht.
Die meisten und stärksten Fehldrehungen zeigen sich in Röntgenaufnahmen, die während eines Migräne-Anfalls erstellt wurden.
Patienten mit Spannungskopfschmerzen lassen auch während eines Schmerzanfalls keine Drehfehlstellung des Atlas-Wirbels erkennen.
Fehldrehung des ersten Halswirbels (Atlas)
beiMigräne und Kopfschmerz-Mischformen
Anatomische Verhältnisse
in Genick, Hinterkopf und Nacken
Schmerzen in Hinterkopf und Nacken, die über die Scheitelbeine in die Stirn ziehen, werden hauptsächlich von den hinteren (dorsalen) Ästen der Halsnerven zwei (2) und drei (3) in die Schmerzgebiete geleitet. Die im Genickbereich liegenden Nerven-Äste (blaue Pfeile) erzeugen den Hinterkopfschmerz, die nach oben und vorn ziehenden Äste (rote Pfeile) erzeugen Stirnschmerz.
Die ersten drei Halsnerven stehen im Rückenmark in Höhe des Genicks mit dem sensiblen Nervenkern des Gesichtsnerven (Trigeminus) in unmittelbarer Verbindung. Über diese Verbindung können Gesichtsschmerzen entstehen, die bei Mischformen von Migräne und Spannungskopfschmerzen beschrieben werden.
Besonderheiten
der subjektiven Schmerzempfindung Werden die Nervenfasern (Axone) schmerz-leitender Nerven mechanisch (durch Druck oder Zug) oder chemisch (durch Entzündungen) gereizt, schicken die Nervenzellen intensive elektrische Signale in Richtung Rückenmark. Das Rückenmark transportiert die Signale zum Gehirn, wo sie in der zentralen Schmerzverarbeitung, dem sogenannten somato-sensorischen Rindenfeld (äußerer grauer Saum in der mittleren Gehirnregion mit ca. 6 bis 8 Milliarden Nervenzellen) eintreffen. Dort sind alle Körperorgane abgebildet wie Länder und Kontinente auf einem Globus.
So ist praktisch jede Nervenfaser und Nervenzelle der Peripherie mit einer bestimmten Nervenzelle im Rindenfeld verbunden. (Peripherie sind alle Gewebe außer Rückenmark und Gehirn). Das Rindenfeld "sieht" damit sehr genau, wo in der Peripherie eine Schmerzfaser gereizt wird. So entsteht aus elektrischen Signalen gereizter peripherer Nerven durch bildhafte Auswertung eine genaue Vorstellung über Ort, Ausdehnung und Intensität von Schmerzen (Zielprojektion). Diese Vorgänge der Schmerzempfindung erzeugen im Zusammenwirken mit anderen Hirnregionen schließlich das Schmerz-Bewusstsein.
Weil es bei der Signalverarbeitung im Rindenfeld nur darauf ankommt, welche Nervenfaser der Peripherie ein intensives Signalmuster aussendet und nicht, an genau welcher Stelle eine Nervenfaser gereizt wird, kann z.B. bei Spannungskopfschmerzen zwischen dem empfundenen Schmerzort im Stirn-/Schläfenbereich (am Ende einer Nervenfaser des großen Hinterhauptsnerven) und dem Schmerzentstehungsort im Genick, in dessen Gebiet die zugehörige Nervenzelle liegt, eine beträchtliche Distanz bestehen.
Der subjektive Eindruckvon der Schmerzlokalisation ist demnach immer eine Schmerz-Projektion zum Nervenfaserende, unabhängig vom Ort der Nervenfaserreizung, dem eigentlichen Ort der Schmerzentstehung.
Ein typisches Beispiel dafür ist der Phantomschmerz, bei dem der Betroffene Schmerzen in Gliedmaßen empfindet, die z.B. infolge einer Amputation nicht mehr vorhanden sind. Die Schmerzen werden durch eine (gutartige) Wucherung am noch vorhandenen Nervenstumpf erzeugt. Die darin enthaltenen schmerz-leitenden Nervenfasern werden durch die Wucherung gereizt und erzeugen damit das subjektive Schmerzempfinden noch vorhandener Gliedmaßen (Phantom-Effekt).
Patho-Mechanismen des Spannungskopfschmerzes
Bei Spannungskopfschmerzen können die langen Nackenmuskeln(rote Pfeile) einen wesentlichen Beitrag leisten zur Schmerzentstehung in Nacken und Hinterkopf. Diese Muskeln sind eigentlich keine Halsmuskeln, sondern stammen aus verschiedenen Regionen der Brustwirbelsäule. Sie setzen unter anderem am mittleren (1) und seitlichen (2) Hinterkopf an. Andere, schräg zur oberen und mittleren Halswirbelsäule (3) ziehende Muskeln (blaue Pfeile), entstammen der benachbarten Schulterregion.
Genickmuskeln, lange Nackenmuskeln und schräg verlaufende Nacken-/Schulter-Muskeln können bei dauerhaft statischer Fehlhaltung von Kopf, Hals und Rücken, zum Beispiel bei Schreibtisch-, Computer- oder Fließbandarbeit, aber auch während Freizeitsport (z.B. Tennis, Golf oder Reiten) leicht überbeansprucht werden. Dadurch können Muskelverhärtungen, isolierte Muskelknoten (Myogelosen), längerfristig auch sehr schmerzhafte Dauerverspannungen entstehen, die Spannungskopfschmerzen und Schulter-Arm-Schmerzen in gleicher Weise provozieren und unterhalten können.
Sie sind auch mitverantwortlich für die von oben nach unten zunehmende Beugeunfähigkeit der Halswirbelsäule in der Vorbeugung des Kopfes und ebenso mitverantwortlich für die Entstehung von Halswirbelsäulen-Knickungen, Halswirbel-Arthrosen und Bandscheibenschäden infolge Dauerüberlastung durch Dauerüberbeanspruchung.
Die Beugeunfähigkeit der Halswirbelsäule ist in der Regel ein primär funktioneller Prozess, der erstaunlich häufig eine organisch intakte Wirbelsäule aufweist ohne Arthrosen oder Bandscheibenschäden. Dennoch kann eine in ihrem oberen Teil (1 - 4) schon frühzeitig beugeunfähig gewordene Halswirbelsäule (rote Linie) schwere Kopf- und Nackenschmerzen verursachen. Erst sekundär kann es dabei auch zur Ausbildung von Arthrosen, Bandscheibenschäden und Knickungen oder Wirbelgleiten kommen.
Kopf- und Nackenschmerzen, Folge neurogener Entzündungen
im pathologischen Zusammenspiel zwischen Halsnerven und dauerhaft überbeanspruchten Genick- und Nacken-muskeln aus Brustwirbelsäule und Schulter.
Die schmerzhafteAusbildung neurogener Entzündungen durch Dauerreizung schmerz-leitender Nerven und deren Produktion von Entzündungs-Eiweißen sowie die nachfolgende Freisetzung entzündungsfördernder Prostaglandine sind ähnlich wie bei der Migräne die pathogenetisch (die Erkrankung hervorrufende) wirksamen Effekte, die auch an der Chronifizierung der Kopfschmerzen maßgeblichen beteiligt sind.
Diese Mechanismen sind auch das Angriffsziel bei der Behandlung von Spannungskopfschmerzen mit Prostaglandin-Synthese-Hemmern (ASS, Paracetamol, Ibuprofen u.ä.), die auch unter dem Begriff "Nicht-steroidale Antirheumatika" (NSAR) - periphere Schmerzmittel - bekannt sind.
Wenn Schmerzmittel aber nicht mehr oder kaum noch helfen, oder nicht mehr genommen werden dürfen, weil ihre Nebenwirkungen größer sind als ihr therapeutischer Nutzen oder weil bereits eingetretene Organschäden (Niere, Magen und Darm) die weitere Einnahme verbieten, ist zur dauerhaften Schmerz- und Beschwerdefreiheit eine sehr gezielt eingesetzte ursachenorientierte Behandlung erforderlich unter Berücksichtigung aller im vorliegenden Einzelfall krankheits-unterhaltender Mechanismen. Eine solche Behandlung ist natürlich aufwändiger als der Griff zur Tablettenschachtel.
Anhaltende Schmerz- und Beschwerdefreiheit ohne Medikamente.
Der Aufwand lohnt sich immer!
Der Aufwand lohnt sich immer,
denn Schmerz- und Beschwerdefreiheit bedeutet ganz einfach ein völlig neues Lebensgefühl.
Befreiung von Medikamenten und Medikamenten-Übergebrauch (Abusus) bedeutet:
SichererSchutz vor Organschäden
und eine konkrete Heilungschance für bereits geschädigte Organe.